noesisnoesis
KognitivStarke Evidenz

Sozial-kognitive Theorie

Bandura, A. · 1977

Auch bekannt als: SCT · Self-Efficacy Theory

Die Sozial-Kognitive Theorie, verankert im Konzept der Selbstwirksamkeit, postuliert, dass menschliches Funktionieren das Produkt wechselseitiger Interaktionen zwischen personalen Faktoren (Kognition, Affekt, Biologie), Verhalten und Umwelteinflüssen ist (triadischer reziproker Determinismus). Selbstwirksamkeit -- die Überzeugung, die zur Erzielung bestimmter Ergebnisse notwendigen Verhaltensweisen ausführen zu können -- ist der zentrale Mechanismus menschlicher Handlungsfähigkeit (Agency) und wird durch vier Quellen geformt: Erfolgserfahrung (mastery experience), stellvertretende Erfahrung, verbale Überzeugung und physiologische/emotionale Zustände. Metaanalysen zeigen konsistent, dass Selbstwirksamkeit stark mit Leistung korreliert (gewichtetes r = .38 im Arbeitskontext) und einer der stärksten Prädiktoren für schulische/akademische Leistung und Verhaltensänderungen im Gesundheitsbereich ist.

Theorie, die postuliert, dass Selbstwirksamkeit — der Glaube an die eigene Fähigkeit, Verhaltensweisen auszuführen, die zur Erreichung bestimmter Ergebnisse notwendig sind — der zentrale Mechanismus menschlicher Handlungsfähigkeit ist. Generalisierte Selbstwirksamkeit spiegelt ein breites, stabiles Gefühl persönlicher Kompetenz über verschiedene Bereiche wider.

Quelle:
Bandura, A. (1977). Self-efficacy: Toward a unifying theory of behavioral change. Psychological Review, 84(2), 191-215.

Historischer Kontext

Bandura führte Selbstwirksamkeit als vereinheitlichendes Konstrukt in seinem 1977 in Psychological Review erschienenen Artikel 'Self-efficacy: Toward a unifying theory of behavioral change' ein, aufbauend auf seiner früheren sozialen Lerntheorie und den berühmten Bobo-Doll-Experimenten der 1960er-Jahre. Die umfassendere Sozial-Kognitive Theorie wurde 1986 mit 'Social Foundations of Thought and Action' formell ausgearbeitet, das über das Beobachtungslernen hinausging und Selbstregulation, vorausschauendes Denken und selbstreflexive Fähigkeiten als Kernmerkmale menschlicher Handlungsfähigkeit einbezog. Banduras 1997 erschienenes Buch 'Self-Efficacy: The Exercise of Control' bot die umfassendste Behandlung der Selbstwirksamkeitstheorie und konsolidierte zwei Jahrzehnte an Forschung aus klinischen, pädagogischen und organisationalen Bereichen.

Konstrukte

Generalisierte Selbstwirksamkeit

Ein breites und stabiles Gefühl persönlicher Kompetenz, um effektiv mit einer Vielzahl von stressigen oder neuartigen Anforderungen umzugehen, verwurzelt in Banduras (1977, 1997) sozial-kognitiver Theorie. Wie von Schwarzer und Jerusalem (1995) operationalisiert, geht die allgemeine Selbstwirksamkeitserwartung über aufgabenspezifische Überzeugungen hinaus und erfasst die optimistische Selbstüberzeugung, dass man unvorhergesehene Herausforderungen bewältigen, sich von Rückschlägen erholen und angesichts von Widrigkeiten in verschiedenen Lebensbereichen beharrlich bleiben kann.

Instrumente

  • NOESIS General Self-Efficacy Scale(NGSE)NOESIS2026

Tests, die auf dieser Theorie basieren

Praktische Anwendungen

In der klinischen Psychologie sind Selbstwirksamkeitsinterventionen zentral für kognitiv-verhaltenstherapeutische Behandlungen von Phobien, Suchterholung und chronischem Krankheitsmanagement, wobei der Aufbau von Erfolgserfahrungen und Modelllernen genutzt werden, um die Überzeugung der Patienten in ihre Bewältigungsfähigkeiten zu stärken. In der Bildung informiert die Sozial-Kognitive Theorie die didaktische Gestaltung durch Modelllernen, angeleitete Erfolgserfahrung (guided mastery) und selbstreguliertes Lernen, die die Selbstwirksamkeit und die akademische Leistung von Schülern und Studierenden fördern. In Organisationen bildet die Theorie die Grundlage für Trainingsprogramme, Führungskräfteentwicklung und Zielsetzungsinterventionen, wobei die General Self-Efficacy Scale in über 25 Ländern und 30 Sprachen für die interkulturelle Erfassung validiert wurde.

Wie Sie Gemessen Wird

Selbstwirksamkeit wird typischerweise mittels bereichsspezifischer Skalen (z. B. akademische Selbstwirksamkeit, gesundheitsbezogene Selbstwirksamkeit) anstelle allgemeiner Maße erfasst, gemäß Banduras Empfehlung, dass Selbstwirksamkeitsüberzeugungen aufgabenspezifisch sind. Die General Self-Efficacy Scale (Schwarzer & Jerusalem, 1995) ist das am häufigsten verwendete allgemeine Maß und wurde in über 25 Ländern validiert.

Kritik & Grenzen

Eine zentrale Kritik betrifft, dass die Unterscheidung zwischen Selbstwirksamkeitserwartungen und Ergebniserwartungen nicht immer klar differenziert wird, was konzeptuelle Mehrdeutigkeit in den Kernkonstrukten der Theorie erzeugt. Kritiker argumentieren, dass die Breite und Komplexität der Sozial-Kognitiven Theorie -- die Selbstwirksamkeit, Ergebniserwartungen, Selbstregulation, Umweltfaktoren und triadischen reziproken Determinismus umfasst -- eine präzise Operationalisierung und Prüfung als einheitliche Theorie erschwert, wobei sich die meiste empirische Forschung eng auf Selbstwirksamkeit allein konzentriert. Manche Forscher merken zudem an, dass die Theorie genetische, neurobiologische und strukturell-systemische Barrieren, die Verhalten unabhängig von persönlichen Wirksamkeitsüberzeugungen einschränken, möglicherweise unterbetont und dass viele grundlegende Studien nur kurzfristige statt langfristige Verhaltenseffekte untersucht haben.

Wichtige Publikationen

  • Bandura, A.. (1977). Self-efficacy: Toward a unifying theory of behavioral change. 10.1037/0033-295X.84.2.191
  • Bandura, A.. (1986). Social Foundations of Thought and Action: A Social Cognitive Theory.
  • Bandura, A.. (1997). Self-Efficacy: The Exercise of Control.
  • Bandura, A.. (2001). Social cognitive theory: An agentic perspective. 10.1146/annurev.psych.52.1.1
  • Stajkovic, A. D. & Luthans, F.. (1998). Self-Efficacy and Work-Related Performance: A Meta-Analysis. 10.1037/0033-2909.124.2.240

Verwandte Theorien

Self-Determination TheorySocial Learning TheoryExpectancy-Value TheoryAttribution TheoryLocus of Control TheorySelf-Regulation Theory