Zwei-Prozess-Theorie des Denkens
Auch bekannt als: System 1 and System 2 · Cognitive reflection paradigm · CRT framework
Rahmenmodell, das Denken als Zusammenspiel zweier Modi beschreibt: ein schneller, automatischer Prozess, der eine Antwort vorschlägt, und ein langsamer, bewusster Prozess, der den Vorschlag prüft oder durchwinkt. Frederick (2005) machte den zweiten messbar mit Aufgaben, die so gebaut sind, dass die intuitive Antwort selbstsicher falsch ist, sodass eine richtige Antwort verlangt, den Sog zu bemerken, ihm zu misstrauen und nachzurechnen. Die damit gemessene Neigung, die kognitive Reflexion, korreliert mit kognitiver Fähigkeit, ohne sie zu sein: Die Items verlangen kaum Arithmetik und kein Wissen, und Fehler sammeln sich auf der eingebauten Antwort, statt zufällig zu streuen. Die zentrale Validitätsbedrohung des Paradigmas ist die vorherige Bekanntheit: Die klassischen Items wurden so berühmt, dass 2016 rund die Hälfte der Online-Befragten sie bereits kannte.
- Quelle:
- Frederick, S. (2005). Cognitive Reflection and Decision Making. Journal of Economic Perspectives, 19(4), 25-42. Toplak, M. E., West, R. F., & Stanovich, K. E. (2014). Assessing miserly information processing: An expansion of the Cognitive Reflection Test. Thinking & Reasoning, 20(2), 147-168.
Konstrukte
Kognitive Reflexion
Die Neigung, eine intuitive Antwort zu bemerken, ihr zu misstrauen und sie zu prüfen, bevor man sich festlegt (Frederick, 2005). Gemessen wird sie mit Aufgaben, die so gebaut sind, dass die falsche Antwort fertig wirkt, und deshalb ist die Arithmetik bewusst leicht: Die Schwierigkeit liegt darin, die erste Antwort zu unterdrücken, nicht darin, sie hervorzubringen. Das Konstrukt korreliert mit Maßen kognitiver Fähigkeit, ohne selbst eines zu sein: Es ist eine Gewohnheit des Nachprüfens, und das gewöhnliche menschliche Ergebnis ist, dass die eingebaute Antwort meist gewinnt.
Instrumente
- NOESIS-Skala für kognitive ReflexionNOESIS2026